Die Vorhand im Tennis ist eine „Boden-zum-Schläger“-Bewegung, bei der die Beine und der Rumpf den größten Teil der Kraft erzeugen, wohingegen die Bandeja im Padel eine „Schulter“-Bewegung ist, lokalisierter, energieeffizienter, die dieses Gelenk jedoch stärker dem Verschleiß aussetzt – zwei fast gegensätzliche biomechanische Logiken, die durch Filmstudien und Muskelanalysen aufgedeckt wurden.

Aus der Ferne betrachtet ähneln sich eine Vorhand im Tennis und ein Bandeja im Padel: Der Ball kommt an, der Spieler holt zum Schlag aus. Doch sobald die Bewegung verlangsamt wird – was Forscher in der Sportbiomechanik mithilfe von 3D-Video und Elektromyographie (der Messung der elektrischen Muskelaktivität während der Belastung) tun – erzählen die beiden Bewegungen zwei völlig unterschiedliche Geschichten.

Auf der einen Seite die Vorhand, die ihre Kraft aus dem ganzen Körper bezieht, von den Füßen bis zur Schlägerspitze. Auf der anderen Seite ein kompakterer, defensiver Schlag, bei dem die Schulter auf eine ganz bestimmte Weise eingesetzt wird. Dieses Verständnis ist nicht nur eine theoretische Übung: Es erklärt auch, warum die beiden Sportarten den Körper nicht auf dieselbe Weise belasten.

1. Die Vorhand im Tennis: ein Schlag, der vom Boden ausgeht.

Das Schlüsselkonzept: die kinetische Kette

Forscher im Bereich der Tennisbiomechanik (insbesondere die Arbeiten von Caroline Martin, PhD in Sportbiomechanik, und Cyril Genevois, Spezialist für Bewegungsanalyse im Tennis) beschreiben die Vorhand anhand des Konzepts der  kinetische Kette  Die Vorstellung, dass die Kraft des Schlags nicht von einem einzelnen Körperteil ausgeht, sondern von einer Energieübertragung, die sich wie eine Welle von den Füßen zum Schläger ausbreitet.

Die Bewegung folgt einer präzisen Abfolge, wobei jeder Schritt abgeschlossen sein muss, bevor der nächste ausgeführt werden kann, damit unterwegs keine Energie verloren geht:

  1.  Bodenverankerung  Die Stützen werden fixiert, die Beine biegen sich und bilden so eine stabile Basis.
  2.  Antrieb  Die Beine entspannen sich, wodurch ein anfänglicher Aufwärts- und Vorwärtsimpuls erzeugt wird.
  3.  Rumpfdrehung  : Zuerst drehen sich das Becken und dann die Schultern, in dieser Reihenfolge, wodurch ein peitschenartiger Effekt entsteht.
  4.  Die Beschleunigung des Arms  : Ellbogen und Handgelenk beschleunigen zuletzt, in dem Moment, in dem die gesamte im unteren Körperbereich angesammelte Energie sie erreicht.

Dieses Prinzip erklärt ein Phänomen, das Anfänger oft überrascht: Nicht die Spieler, die den Arm am kräftigsten „ziehen“, schlagen den Ball am härtesten, sondern diejenigen, die die gesamte Bewegungskette am besten synchronisieren. Messungen beim Aufschlag (dem am besten untersuchten Schlag im Tennis, für den die Daten am präzisesten sind) zeigen, dass  Die Beine und der Rumpf allein erzeugen mehr als die Hälfte der gesamten auf den Schläger übertragenen Energie (etwa 51 bis 55 %), im Vergleich zu nur 13 % für die Schulter. Es funktioniert eher wie ein Relais als wie ein Motor.

Was die Muskelanalyse offenbart: weniger Aufwand, mehr Effizienz

Ein besonders interessantes Ergebnis aus aktuellen Studien zur Elektromyographie (Messung der elektrischen Aktivität von Muskeln):  Fortgeschrittene Spieler beanspruchen beim Vorhandschlag in der Regel weniger Muskeln als Anfänger und erzielen dabei höhere Ballgeschwindigkeiten. Anders ausgedrückt: Bei einer guten Vorhand geht es nicht um einen kraftvolleren Schlag, sondern um einen Schlag, der die Kraftübertragung im Körper optimiert – eine Form neuromotorischer Effizienz statt reiner Stärke. Es ist vergleichbar mit dem Unterschied zwischen dem Aufdrücken einer Tür mit dem ganzen Körpergewicht und dem präzisen Drehen in den Angeln: Das Ergebnis mag dasselbe sein, aber der dafür nötige Kraftaufwand ist grundverschieden.

Der Preis dafür: wiederholte Belastung von Ellbogen und Schulter

Diese Bewegungskette, so effizient sie auch sein mag, belastet bestimmte Gelenke wiederholt, insbesondere bei unvollkommener Bewegungssynchronisation – was häufig bei Amateurspielern vorkommt, die eine fehlende Rumpfrotation oft durch verstärkten Armeinsatz kompensieren. Genau dieser Kompensationsmechanismus gilt als einer der Hauptfaktoren für die laterale Epicondylitis, besser bekannt als Tennisarm: eine Überbeanspruchung der Ellbogensehnen in Verbindung mit einer Bewegung, bei der der Arm allein einen Teil der Energie aufbringen muss, die eigentlich die Bewegungskette liefern sollte.

2. Die Bandeja im Padel: eine Schulterbewegung, die eher der Kontrolle als der Kraft dient.

Ein Schritt, der aus einer taktischen Notwendigkeit geboren wurde

Die Bandeja (wörtlich „das Tablett“ auf Spanisch, in Anlehnung an die Geste eines Aufschlägers, der ein Tablett mit Gläsern trägt) ist ein einzigartiger Schlag im Padel, der im Tennis kein wirkliches Äquivalent hat. Er kommt in einer ganz bestimmten Situation zum Einsatz: Ein Spieler am Netz empfängt einen Lob, einen hohen Ball, der über seinen Kopf fliegt. Anstatt einen riskanten Schmetterball zu versuchen (der ihn angreifbar für einen Konter macht, falls der Ball zurückkommt), wählt der Spieler einen kontrollierteren, mittleren Schlag, der es ihm ermöglicht, seine offensive Position am Netz zu halten, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Ein grundlegend anderer Schlagmechanismus

Anders als beim Vorhandschlag im Tennis ist die Bandeja nicht als Kette aufgebaut, die sich vom Boden bis zum Schläger erstreckt. Ihre Struktur ist eher lokalisiert:

  •  die Vorbereitung  Die Bewegung erfolgt hoch, der Ellbogen erhoben, der Schläger auf Kopfhöhe – das berühmte Bild des hochgehaltenen „Plateaus“.
  •  Der Aufprall  Der Schlag erfolgt seitlich am Körper, auf Schulterhöhe, niemals über dem Kopf wie bei einem Smash.
  •  Die auffällige Geste  Es handelt sich um eine horizontale Bewegung, bei der die Kante des Schlägers den Ball von oben nach unten und nach vorne „streift“, wodurch ein Slice-Effekt entsteht, der den Absprung des Balls auf der gegnerischen Seite verlangsamt.
  •  Die Bewegung der Beine , oft in Seitwärtsschritten nach hinten statt in klassischer Rückwärtsbewegung, dient vor allem dazu, sich in Bezug auf den Ball richtig zu positionieren – mehr eine Aufgabe der Anpassung als des Vortriebs.

Der Unterschied ist daher deutlich: Während beim Tennis die Vorhand darauf abzielt, maximale Energie vom Boden auf den Schläger zu übertragen, ist beim Bandeja das Gegenteil der Fall – ein bewusst kontrollierter Schlag, bei dem rohe Kraft zugunsten von Kontrolle und Platzierung geopfert wird. Es ist kein Zufall, dass Padel-Trainer ausdrücklich empfehlen, die Schlagkraft im Vergleich zum Smash um etwa 30 % zu reduzieren, um die Präzision zu maximieren.

Die Schulter, allein an vorderster Front

Dieser strukturelle Unterschied hat eine direkte physische Folge: Die Bandeja belastet das Schultergelenk deutlich stärker, da die effiziente Unterstützung der gesamten Bewegungskette im Tennis fehlt. Das Schultergelenk ist besonders beweglich – und genau diese Beweglichkeit macht es instabiler und anfälliger für Überlastung. Sportexperten sehen die Flugbewegungen im Padel (Bandeja, Smash, hohe Volleys) häufig als Ursache für Schulterinstabilität und Sehnenentzündungen bei regelmäßigen Spielern, insbesondere bei fehlerhafter Ausführung – typischerweise, wenn der Ball zu weit hinten statt leicht davor getroffen wird. Dieser häufige technische Fehler erhöht die Belastung des Gelenks zusätzlich.

3. Direkter Vergleich: zwei kinetische Ketten, zwei Risikoprofile

KriteriumVorhand (Tennis)Bandeja (Padel)
Ursprung der MachtBeine und Rumpf (vollständige kinetische Kette)Schulter und Arm (lokalisierte Bewegung)
Die Rolle der BeineSie erzeugen den größten Teil des ImpulsesSie werden hauptsächlich zur Positionierung eingesetzt, weniger zum Antrieb.
Rolle der SchulterÜbertragungsrelais (~13 % der gesamten im Einsatz befindlichen Energie)Hauptantriebskraft der Bewegung
Ziel der GesteMaximale BallgeschwindigkeitKontrolliere die Flugbahn, verlangsame den Ball absichtlich.
Art der MuskelanstrengungGroße, koordinierte Kette, verteilte AnstrengungLokalisierte Anstrengung, wiederholt mit hoher Frequenz
Gelenk, das am stärksten dem Verschleiß ausgesetzt istEllenbogen (Tennisarm), Schulter (Aufschlag)Schulter (Sehnenentzündungen, Instabilität)
Am häufigsten dokumentierte VerletzungsursacheKompensation durch den Arm einer schlecht synchronisierten kinetischen KetteWiederholte Luftbewegungen, die zu weit hinten am Körper ansetzen

4. Was ändert sich dadurch konkret für die Gesundheit des Spielers?

Dieser biomechanische Unterschied ist nicht nur eine Kuriosität im Labor: Er hat direkte Auswirkungen auf die körperliche Vorbereitung und die Verletzungsprävention in beiden Sportarten.

 Tennis Um den Verschleiß von Ellbogen und Schulter zu minimieren, sollte vorrangig die gesamte Bewegungskette – Beinbeweglichkeit und -kraft, Rumpfrotation – verbessert werden, anstatt sich allein auf den Arm zu konzentrieren. Eine Vorhand, die den Arm aufgrund unzureichender Kraftübertragung aus dem Unterkörper zu stark belastet, gilt als klassischer Risikofaktor für Ellbogensehnenprobleme.

 Bei Padel Die Logik ist eine andere: Da die Bandeja (und andere Luftgesten in diesem Sport) die Schulter direkter und wiederholter beansprucht, wird von Sportphysiotherapeuten regelmäßig eine gezielte Kräftigung der Rotatorenmanschette und der schulterstabilisierenden Muskulatur empfohlen, mit einer wöchentlichen Routine von wenigen Minuten mit einem Widerstandsband, zusätzlich zur technischen Korrektur der Platzierung des Schlags (vor dem Körper statt dahinter).

Die biomechanische Analyse der Vorhand im Tennis und der Bandeja im Padel offenbart zwei nahezu gegensätzliche Bewegungsphilosophien: Die eine baut Kraft über den gesamten Körper auf, ausgehend vom Boden; die andere konzentriert die Anstrengung auf eine kürzere, kontrolliertere Schulterbewegung, die auf Präzision statt auf Geschwindigkeit ausgelegt ist. Dieser strukturelle Unterschied erklärt weitgehend, warum die beiden Sportarten nicht zu denselben Verletzungsarten führen: Ellbogenverletzungen im Tennis, Schulterverletzungen im Padel – zwei klar definierte Risikoprofile, die unterschiedliche Präventionsstrategien erfordern.

Häufig gestellte Fragen

 Warum sagt man, die Vorhand beginne „von den Beinen“, wenn doch der Arm den Ball berührt?  Weil die Kraft des Schlags primär durch die Rotation von Beinen und Oberkörper erzeugt und erst im letzten Moment auf Arm und Schläger übertragen wird. Der Arm fungiert dabei als letztes Glied in der Kette, nicht als Hauptantriebskraft.

 Ist die Bandeja eine gefährliche Bewegung für die Schulter?  Der Schlag ist an sich nicht gefährlich, belastet die Schulter aber stärker als die meisten Tennisschläge, insbesondere bei fehlerhafter Ausführung (der Ball wird zu weit hinten geschlagen). Spezielle Übungen zur Kräftigung der Schulter werden daher regelmäßigen Padelspielern empfohlen.

 Benötigt man viel Kraft, um eine Vorhand oder einen Bandeja gut zu spielen?  Nein, ganz im Gegenteil: Studien zeigen, dass fortgeschrittene Tennisspieler dank besserer Koordination oft weniger Muskeln benötigen als Anfänger, um einen schnelleren Ball zu erzeugen. Im Padel ist die Bandeja ausdrücklich ein Schlag, bei dem rohe Gewalt unerwünscht ist und Kontrolle im Vordergrund steht.

 Haben Tennisarm und Schulterschmerzen beim Padel die gleiche Ursache?  Nein. Ein Tennisarm entsteht meist dadurch, dass der Arm eine schlecht synchronisierte Bewegungskette kompensiert. Schulterschmerzen beim Padel hängen eher mit der Wiederholung von Luftbewegungen (Bandeja, Smash, hohe Volleys) zusammen, die ein von Natur aus bewegliches und daher instabileres Gelenk belasten.

Quellen und Methodik

  • Martin, C. (2018). Kapitel 7. Biomechanische und muskuläre Analyse der Vorhandin Tennis: LeistungsoptimierungDe Boeck Supérieur.
  • Genf, C. Determinanten der Vorhandleistung: Implikationen für das TrainingFranzösischer Tennisverband.
  • Elliott, B., Kotara, T., Noffal, G. (1997). Der Einfluss der Griffposition auf den Beitrag der oberen Extremitäten zur Schlägerkopfgeschwindigkeit bei einer Tennis-VorhandJournal of Applied Biomechanics, 13, 182-196.
  • Landlinger, J. et al. (2010). Daten zur kinetischen Kette und Schlägergeschwindigkeit bei der Vorhand, zitiert in der Synthesearbeit von C. Genevois für die FFT.
  • Daten zum relativen Beitrag der Körpersegmente zur Energieübertragung auf den Schläger während des Aufschlags (Kinetic Chain Concepts, 2014; Aspetar Sports Medicine Journal, 2014).
  • Elektromyographische Studie (2025) zum Vergleich der Muskelaktivierung von fortgeschrittenen und unerfahrenen Tennisspielern beim Vorhandschlag.
  • Die technischen Beschreibungen der Bandeja stammen aus Lehrmaterialien von spezialisierten Padel-Trainern und wurden zwischen mehreren unabhängigen Quellen abgeglichen.
  • Daten zur Prävalenz von Tendinopathien und Schulterinstabilität im Zusammenhang mit wiederholten Luftbewegungen beim Padel, entnommen aus speziell für diese Sportart entwickelten körperlichen Vorbereitungsinhalten.

Dieser Artikel wurde unter Verwendung öffentlich zugänglicher wissenschaftlicher und technischer Quellen (Stand: August 2026) verfasst. Die genannten Präventionsempfehlungen ersetzen nicht den Rat eines Arztes oder Fitnesstrainers bei anhaltenden Schmerzen.

Franck Binisti

Franck Binisti entdeckte Padel im Club des Pyramides im Jahr 2009 in der Region Paris. Seitdem ist Padel Teil seines Lebens. Man sieht ihn oft auf Tour durch Frankreich, um über große französische Padel-Events zu berichten.