Home / NEWS Claudia Fernández: „Ich brauchte psychologische Unterstützung… Ich habe es von der Runde der letzten 32 ins Finale und zum Kampf um Titel geschafft.“
Mit gerade einmal 20 Jahren hat sich Claudia Fernández bereits als eine der führenden Persönlichkeiten im internationalen Padel etabliert. In einem Interview mit MARCA spricht die Madrilenin offen über ihren kometenhaften Aufstieg, die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert war, und ihre Vision für eine langfristige Karriere.
„Ich bin kein Kind mehr.“
Schon in den ersten Minuten gibt Claudia Fernández den Ton an. Das Bild des „wunderbaren Mädchens“ verblasst allmählich und macht Platz für eine Spielerin, die sich noch in der Entwicklung befindet.
„Ich würde sagen, ich bin kein Kind mehr. Früher wurde ich vielleicht noch als kleines Mädchen gesehen, jetzt bin ich schon fast eine Frau.“
Eine rasante, fast brutale Entwicklung, die mit seinem frühen Aufstieg auf höchstem Niveau zusammenhängt.
Ein ebenso rasanter wie schwieriger Aufstieg
Sein Übergang vom Jugend- zum Profibereich erfolgte sehr schnell, mit allen damit verbundenen Konsequenzen.
„Ich habe eine schwierige Zeit durchgemacht, weil ich alles gleichzeitig gemacht habe: Juniorenturniere und die Profitour. Ich stand unter großem Druck; ich musste unbedingt gewinnen.“
Ein Tempo, das schwer durchzuhalten war und sie letztendlich zwang, eine Entscheidung zu treffen.
„Ich erinnere mich an ein Turnier, bei dem ich mich nach einer Reise so unwohl fühlte, dass ich beinahe auf dem Platz ohnmächtig geworden wäre. Da wurde mir klar, dass ich nicht alles schaffen kann.“
„Alles hat sich sehr schnell verändert.“
Innerhalb weniger Monate hat sich der spanische Spieler vom Außenseiter zum Titelanwärter entwickelt.
„Ich spielte in der Runde der letzten 32, im Achtelfinale… und plötzlich fand ich mich in Finalspielen wieder und kämpfte um den Sieg in Turnieren.“
Eine plötzliche Veränderung, die sie, wie sie zugibt, nur schwer akzeptieren konnte.
„Es kam sehr plötzlich, es war ein kleiner Schock, aber ich bin froh, dass ich es durchgemacht habe.“
Die Gemma-Triay-Phase: zwischen Lernen und Druck
Der Wendepunkt kam im Jahr 2024, als Gemma Triay ihn anrief, um ein Duo zu bilden.
„Als sie mich anrief, habe ich nicht gezögert. Natürlich hatte ich auch etwas Angst: Würde ich der Aufgabe gewachsen sein?“
Eine bereichernde, aber anspruchsvolle Erfahrung.
„Ich habe sehr viel gelernt, aber es gab auch Momente mit starkem Druck.“
Sie hat jedoch sehr positive Erinnerungen an diese Zusammenarbeit.
„Sie ist sehr professionell; sie weiß genau, was es braucht, um die Nummer eins zu sein.“
Die Einsamkeit der Elite
Einer der auffälligsten Aspekte dieser Zeit bleibt der Umgang mit Einsamkeit.
„Wenn man nicht zu den Top 4 gehört, ist man immer mit seinem Partner zusammen. Dann ändert sich alles: Man reist allein, man ist allein im Hotel… und das wirkt sich letztendlich auf einen aus.“
Eine radikale Lebensveränderung, an die sie sich anpassen musste.
„Ich bin mit meiner Mutter auf Reisen gegangen, weil ich Unterstützung brauchte.“
„Ich brauchte psychologische Unterstützung.“
Claudia Fernández geht das Thema psychische Gesundheit direkt an, ein Thema, das im Sport immer noch viel zu oft tabu ist.
„Ich habe immer mit einem Sportpsychologen zusammengearbeitet. Das ist die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.“
Und sie geht sogar noch weiter:
„Ich empfehle es jedem. Viele Leute denken, sie bräuchten es nicht, aber meiner Meinung nach braucht es fast jeder.“
Ein überlegter Ansatz, der ihr half, einen bedeutenden Schritt in ihrer Karriere zu machen.
„Wenn alles gut läuft, schreiben dir alle…“
Die junge Spanierin spricht auch über die Veränderungen, die mit dem Ruhm einhergehen.
„Wenn es gut läuft, schreiben dir alle. Wenn es schlecht läuft, bleiben nur die wahren Freunde: deine Familie, deine Freunde, dein Team.“
Dieser Schritt zurück zeugt von einer für sein Alter bereits fortgeschrittenen Reife.
Ein neuer Schritt mit Sofía Araujo
Im Jahr 2026 startet Claudia Fernández ein neues Projekt mit der Portugiesin Sofía Araujo.
„Ich habe sie angerufen. Ich habe nach der besten Option gesucht und hatte das Gefühl, dass sie unbedingt mit mir spielen wollte.“
Ein Projekt, dem sie sich voll und ganz verschrieben hat.
„Ich kann garantieren, dass ich das ganze Jahr über mit Sofía zusammenspielen werde.“
Die Ziele sind klar, aber messbar:
„Wir wollen gemeinsam Fortschritte machen, uns auf dem Spielfeld wohlfühlen und das Halbfinale und Finale erreichen.“
„Ich möchte die Nummer 1 sein… aber ich habe es nicht eilig.“
Trotz ihrer erklärten Ambitionen weigert sich Claudia Fernández, die Dinge zu überstürzen.
"Natürlich sehe ich mich selbst als Nummer 1. Aber ich denke eher in Richtung einer 25- oder 26-Jährigen."
Eine klare, langfristige Vision.
„Ich konzentriere mich auf mich selbst. Wenn es so sein soll, wird es passieren. Und wenn nicht, habe ich mein Bestes gegeben.“
Eine bereits erkennbare Reife
Heute fühlt sich der Spieler sowohl mental als auch physisch stabiler.
„Ich fühle mich großartig. Und für mich ist das Wichtigste nicht nur das Ergebnis, sondern der innere Frieden.“
Zwischen Ehrgeiz, Klarheit und der Arbeit an sich selbst verkörpert Claudia Fernández eine neue Generation von Spielerinnen, die offener für mentale Herausforderungen sind und entschlossen, eine nachhaltige Karriere aufzubauen.
Franck Binisti entdeckte Padel im Club des Pyramides im Jahr 2009 in der Region Paris. Seitdem ist Padel Teil seines Lebens. Man sieht ihn oft auf Tour durch Frankreich, um über große französische Padel-Events zu berichten.